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Der SchweizerKI-Podcast
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Wie Künstliche Intelligenz Journalismus und Bildung transformiert – Strategische Einblicke vom Head of AI der Funke Mediengruppe

KI als strategische Priorität in der Medienbranche

Die Funke Mediengruppe gehört zu den größten deutschen Verlagshäusern und setzt – anders als etwa Axel Springer – weiterhin auf ein Mehrgleismodell aus Print und Digital. Dr. Paul Elvers, Head of AI bei Funke, macht in dieser Episode deutlich: Künstliche Intelligenz ist kein Nischenthema für digitale Einheiten, sondern eine unternehmensweite Querschnittstechnologie. KI optimiert sowohl Printprozesse als auch digitale Angebote – von der Erstellung bis zur Präsentation und Personalisierung von Medieninhalten.

Elvers positioniert KI konsequent als Werkzeug, nicht als Ersatz für journalistisches Urteilsvermögen. Dieser Grundsatz ist bei Funke institutionell verankert: Der Mensch behält stets die Letztentscheidung und die Letztverantwortung – auch dann, wenn KI maßgeblich an der Inhaltserstellung beteiligt ist.

KI-Leitlinien als Governance-Rahmen

Funke hat im vergangenen Jahr verbindliche KI-Leitlinien für den redaktionellen Einsatz formuliert. Diese umfassen vier Kernprinzipien:

  • Kennzeichnungspflicht: Texte, die maßgeblich von KI generiert wurden, müssen als solche kenntlich gemacht werden.
  • Menschliche Letztverantwortung: Redakteurinnen und Redakteure tragen die Verantwortung für alle veröffentlichten Inhalte.
  • Schulungsinitiativen: Alle Mitarbeitenden erhalten Angebote zur Weiterbildung im Umgang mit KI-Tools.
  • Nachhaltige KI-Nutzung: Der Einsatz soll ökologisch und ethisch verantwortungsvoll gestaltet sein.

Dieses Governance-Framework geht nach Elvers' Aussage über die gesetzlichen Mindestanforderungen des EU AI Acts hinaus – ein klares Signal, dass Funke Compliance nicht als Deckmantel, sondern als strategischen Qualitätsstandard versteht.

Automatisierter Journalismus: Chancen, Risiken und ethische Grenzen

Als Beispiel für den Irrweg einer vollständigen KI-Automatisierung im Journalismus nennt die Episode die italienische Tageszeitung Il Foglio, die eine vollständig von KI erstellte Ausgabe veröffentlichte. Elvers bewertet dieses Experiment kritisch: Es demonstriere eindrücklich, wie es nicht funktionieren sollte. Vollautomatisierter Journalismus ohne menschliche Kontrollmechanismen gefährdet faktische Richtigkeit, redaktionelle Verantwortung und das gesellschaftliche Vertrauen in Medienmarken.

Wirtschaftlicher Druck und Arbeitsmarktveränderungen

Medienhäuser stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck: Titelverkäufe, Kostensparprogramme und ein angespanntes Anzeigenumfeld zwingen zu Effizienzgewinnen. KI kann hier messbar helfen – birgt aber gleichzeitig das Risiko des Stellenabbaus im klassischen Journalismus. Elvers kontextualisiert diesen Wandel historisch: Bereits die Einführung des Computers und die Digitalisierung haben Produktionsprozesse in Redaktionen fundamental verändert. KI ist die nächste Stufe dieser Entwicklung – nicht ein singulärer Bruch, sondern eine Beschleunigung kontinuierlicher Transformation.

Ergänzend verweist Elvers auf den demografischen Wandel in Deutschland: Der natürliche Abgang von Arbeitskräften durch Renteneintritte und der Fachkräftemangel schaffen ohnehin Notwendigkeit, Prozesse zu automatisieren. KI-gestützte Effizienzgewinne sind in diesem Kontext strukturell unvermeidlich – die Frage ist, wie Unternehmen den Wandel sozialverträglich und innovationsorientiert gestalten.

Bildung im KI-Zeitalter: China als Vorreiter, Europa unter Zugzwang

Ab September 2025 führt China als erstes Land weltweit verpflichtenden KI-Unterricht bereits in Grundschulen ein. Das Bildungsministerium plant, bis 2027 alle Schülerinnen und Schüler mit grundlegenden KI-Kompetenzen auszustatten. Die strategische Dimension ist offensichtlich: China sichert sich langfristig eine neue Generation hochqualifizierter KI-Fachkräfte und festigt damit seine Position im globalen Technologiewettbewerb.

Im Podcast wird die Analogie zu Englischunterricht gezogen: So wie Englisch früh als unverzichtbare globale Kompetenz identifiziert wurde, könnte KI-Kompetenz zur neuen Grundvoraussetzung für Bildung und Berufsleben werden – mit dem Unterschied, dass KI potenziell alle gesellschaftlichen Bereiche gleichermaßen betrifft.

Der globale Markt für KI-Bildungssoftware

Die systematische Integration von KI in Bildungseinrichtungen öffnet einen milliardenschweren Marktplatz: Der weltweite Markt für KI-basierte Bildungssoftware wird bis 2027 auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Neben China treiben Indien, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate diese Entwicklung aktiv voran. Für Schweizer und europäische Technologieunternehmen entstehen hier erhebliche Skalierungsmöglichkeiten.

KI-Tutoren als Bildungsinnovation: Personalisierung statt Einheitsunterricht

Ein konkretes Praxisbeispiel liefert eine Schule im Rocketship-Netzwerk in Kalifornien: Durch den Einsatz eines KI-basierten Tutors wurden die Lernergebnisse signifikant verbessert – besonders bei benachteiligten Schülergruppen. Der Schuldirektor betont, die KI reagiere in Echtzeit auf individuelle Bedürfnisse und eröffne neue Motivationswege.

Chris Jon Graf bringt die pädagogische Kernthese auf den Punkt: Das klassische Bildungssystem basiert auf einem Fabrikmodell – standardisiertes Wissen für alle, unabhängig von individuellen Interessen. KI-Tutoren ermöglichen eine fundamentale Neuausrichtung: Schülerinnen und Schüler können über ihre eigenen Interessen in Lernthemen einsteigen und entwickeln dabei nachhaltigeres, verinnerlichte Wissen statt kurzfristiges Prüfungswissen.

Die neue Rolle der Lehrkräfte

KI verändert nicht nur was, sondern wie gelehrt wird. Lehrkräfte können durch KI von Routineaufgaben entlastet werden und mehr Zeit für individuelle Förderung, soziale Interaktion und persönliche Beziehungen zu Schülerinnen und Schülern gewinnen. Elvers und Graf betonen: Genau diese menschliche Dimension – die individuelle Wahrnehmung und Förderung einzelner Lernender – ist es, an die Menschen sich Jahre später noch erinnern. KI kann hier als Enabler wirken, nicht als Ersatz.

Medienmacht durch Algorithmen: Wer bestimmt das Informationsangebot?

Ein weiteres zentrales Thema der Episode ist die Frage der algorithmischen Medienkontrolle. Je stärker KI-Systeme entscheiden, welche Inhalte Nutzerinnen und Nutzer zu sehen bekommen, desto größer wird die Verantwortung der Plattformbetreiber und Verlage. Elvers plädiert für einen regulativen Rahmen, der transparente Kennzeichnung, ethische Standards und menschliche Kontrolle sicherstellt – ohne Innovation zu bremsen.

Der EU AI Act setzt hier einen ersten Rahmen, den Funke nach eigener Aussage proaktiv übertrifft. Die Frage, ob Europa im globalen Wettbewerb mit China und den USA eigene KI-Bildungs- und Medienstandards durchsetzen kann, bleibt offen – und wird die strategischen Diskussionen der kommenden Jahre prägen.

Executive Takeaways

  • KI ist eine Querschnittstechnologie: Sie betrifft Print und Digital, Journalismus und Bildung, Industrie und Kreativwirtschaft gleichermaßen.
  • Governance ist unverzichtbar: KI-Leitlinien mit klaren Verantwortlichkeiten, Kennzeichnungspflichten und Schulungsangeboten sind kein Nice-to-have, sondern strategische Notwendigkeit.
  • Menschliche Kontrolle bleibt Kern: Vollautomatisierter Journalismus ohne redaktionelle Verantwortung ist ein Reputationsrisiko.
  • Bildung als Wettbewerbsfaktor: Wer früh KI-Kompetenz aufbaut – auf Unternehmens- wie auf gesellschaftlicher Ebene – sichert sich langfristige Wettbewerbsvorteile.
  • Neue Märkte entstehen: Der KI-Bildungsmarkt mit über 20 Milliarden US-Dollar Volumen bis 2027 bietet erhebliche Chancen für Technologieanbieter.
  • KI schafft bessere Arbeitsplätze: Wenn KI Routinearbeit übernimmt, entsteht Raum für erfüllendere, menschenzentrierte Tätigkeiten – in Pflege, Bildung und Medien gleichermaßen.

Häufige Fragen

Wie reguliert die Funke Mediengruppe den Einsatz von KI in der Redaktion?

Funke hat verbindliche KI-Leitlinien eingeführt, die eine klare Kennzeichnungspflicht für maßgeblich KI-generierte Inhalte, die menschliche Letztverantwortung aller Redakteurinnen und Redakteure sowie unternehmensweite Schulungsinitiativen vorsehen. Diese internen Standards gehen nach Aussage von Dr. Paul Elvers bewusst über die gesetzlichen Anforderungen des EU AI Acts hinaus.

Welche Risiken birgt vollautomatisierter Journalismus ohne menschliche Kontrolle?

Vollautomatisierter Journalismus – wie das Experiment der italienischen Zeitung Il Foglio zeigt – gefährdet faktische Richtigkeit, redaktionelle Glaubwürdigkeit und das gesellschaftliche Vertrauen in Medienmarken. Dr. Paul Elvers sieht menschliche Kontrollmechanismen als unverzichtbar an, um journalistische Qualitätsstandards und die gesellschaftliche Verantwortung von Medienhäusern zu gewährleisten.

Warum führt China verpflichtenden KI-Unterricht bereits in Grundschulen ein, und was bedeutet das für Europa?

China integriert ab September 2025 KI-Bildung verbindlich in den Lehrplan ab der Primarstufe, mit dem Ziel, bis 2027 eine neue Generation KI-kompetenter Fachkräfte heranzubilden und die technologische Führungsposition im globalen Wettbewerb zu festigen. Für Europa stellt sich damit die dringende Frage, ob eigene KI-Bildungsstandards entwickelt werden müssen, bevor globale Maßstäbe von China oder den USA gesetzt werden.

Wie verändern KI-Tutoren die Lernergebnisse und die Rolle der Lehrkräfte?

KI-basierte Tutoren – wie im Rocketship-Schulnetzwerk in Kalifornien erprobt – ermöglichen individualisiertes Lernen in Echtzeit und haben nachweislich die Lernergebnisse verbessert, insbesondere bei benachteiligten Schülergruppen. Lehrkräfte werden dadurch von Routinevermittlung entlastet und können sich stärker auf individuelle Förderung, soziale Interaktion und persönliche Beziehungen konzentrieren.

Wie groß ist das wirtschaftliche Potenzial des KI-Bildungsmarktes für Unternehmen?

Der weltweite Markt für KI-basierte Bildungssoftware wird bis 2027 auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Treiber sind neben China auch Indien, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate – europäische und Schweizer Technologieunternehmen finden hier erhebliche Skalierungsmöglichkeiten, sofern sie frühzeitig in diesen Markt eintreten.

Wie sollten Unternehmen den Wandel am Arbeitsmarkt durch KI strategisch einordnen?

KI beschleunigt einen langfristigen Transformationsprozess, der bereits mit der Digitalisierung begann. Elvers empfiehlt, KI nicht primär als Bedrohung für Arbeitsplätze zu betrachten, sondern als Chance, Routinetätigkeiten zu automatisieren und dadurch Raum für erfüllendere, menschenzentrierte Tätigkeiten zu schaffen. Unternehmen, die früh mit der Technologie arbeiten und ihre Mitarbeitenden proaktiv schulen, sind langfristig besser positioniert.

Welche Prinzipien sollten Medienhäuser bei der Einführung von KI in redaktionelle Prozesse beachten?

Entscheidend sind Transparenz gegenüber dem Publikum durch klare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte, die Sicherstellung menschlicher Verantwortlichkeit auf allen Ebenen sowie ein strukturiertes Change-Management, das Skeptiker ebenso einbezieht wie Early Adopters. Zudem sollte KI konsequent als Werkzeug zur Qualitätssteigerung positioniert werden – nicht als Kostensenkungsinstrument auf Kosten journalistischer Standards.