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Der SchweizerKI-Podcast
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Wie KI Energieinfrastruktur, Bankwesen und Kunstproduktion gleichzeitig transformiert

KI als industrieller Wendepunkt: Drei Felder im Fokus

Die aktuelle Episode des Schweizer KI-Podcasts greift drei thematische Schwerpunkte auf, die exemplarisch zeigen, wie tief die KI-Transformation bereits in kritische Wirtschaftsbereiche eingedrungen ist: Robotik in der Energieinfrastruktur, datengestützte Kreditentscheidungen im Bankwesen und generative KI in der Kunst. Chris Jon Graf und Bernd Schmellenkamp diskutieren diese Entwicklungen sachlich, ordnen Risiken ein und benennen konkrete Handlungsempfehlungen.


Autonome Robotik in der Energiewirtschaft

Roboterhund Spot im Kernkraftwerk

Wattenfall, einer der grössten europäischen Energieanbieter, setzt im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark den Roboterhund Spot ein. Das Gerät übernimmt Inspektions- und Wartungsarbeiten in Bereichen, die für menschliche Mitarbeiter mit erheblichem Gesundheitsrisiko verbunden sind. Spot navigiert autonom, erfasst Echtzeitdaten über Video-, Audio- und Bewegungssensoren und ermöglicht eine unmittelbare Auswertung vor Ort oder auf eigenen Servern.

Deck Westlund, Leiter Data Science und KI bei Wattenfall, formuliert den strategischen Anspruch präzise: Künstliche Intelligenz wirke sich vorteilhaft auf die Effizienz der Arbeitsabläufe aus und trage damit zum grünen Wandel bei.

Drohnenüberwachung am Pumpspeicherwerk Goldisthal

Ein weiteres Beispiel liefert das Pumpspeicherwerk Goldisthal, wo Wattenfall Drohnen zur proaktiven Staumauerüberwachung einsetzt. KI-Systeme analysieren die aufgenommenen Bilddaten automatisiert auf Risse oder strukturelle Anomalien. Das Ergebnis: gezielte Wartungsmassnahmen, reduzierte Ausfallzeiten und ein deutlich niedrigeres Katastrophenrisiko.

Cybersicherheit als kritische Begleitfrage

Die Hosts thematisieren explizit das Risiko von Cyberangriffen auf digitalisierte Infrastrukturkomponenten. Ihre Einschätzung: KI-Systeme sind nicht per se unsicherer als konventionelle digitale Systeme. Entscheidend sind Netzwerksegmentierung, On-Premises-Betrieb sensibler Daten und der konsequente Verzicht auf öffentliche Cloud-Anbindung für kritische Steuerungsebenen. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis sei dabei sorgfältig zu kalibrieren – mehr Sicherheit bedeutet mehr Investition, und der Sweet Spot muss je nach Organisation individuell bestimmt werden.

Exponentielle Wettbewerbsdivergenz in der Industrie

Anhand von Schneider Electric und Sony verdeutlichen die Hosts ein übergreifendes Muster: Unternehmen, die KI-gestützte Prozesse frühzeitig einführen, bauen einen Vorsprung auf, der sich exponentiell vergrössert. Wer sechs Monate später startet, kann den Rückstand nicht linear aufholen, weil sich die Kurve der Effizienzgewinne fortlaufend steiler entwickelt. Das Abwarten aus Datenschutz- oder Compliance-Gründen ist deshalb keine konservative, sondern eine riskante Strategie.


KI im Bankwesen: Kreditentscheidungen ohne menschliche Bias

Ausfallraten um bis zu 30 Prozent gesenkt

Finanzinstitute, die KI-gestützte Kreditbewertungsverfahren einsetzen, konnten ihre Ausfallraten um bis zu 30 Prozent reduzieren. Der Mechanismus ist nachvollziehbar: Während menschliche Kreditanalytiker von situativen Eindrücken, persönlichen Erfahrungen und unbewussten Vorurteilen beeinflusst werden, analysiert ein KI-System strukturierte und unstrukturierte Datenpunkte konsistent und ohne affektive Verzerrung.

Bernd Schmellenkamp verweist auf historische Bankenskandale – Jürgen Schneider in Deutschland, Signa in Österreich, die Credit-Suisse-Krise in der Schweiz – als Belege dafür, dass menschliche Entscheider im Finanzbereich systematisch Risiken unterschätzt und Anreizverzerrungen gefolgt sind. KI-Systeme seien strukturell weniger anfällig für derartige Fehlentscheidungen.

Chancen für bisher unterversorgte Kreditnehmer

Chris Jon Graf ergänzt eine oft übersehene Perspektive: KI kann gerade jungen, ressourcenarmen, aber motivierten Kreditnehmern Zugang zu Kapital verschaffen, den menschliche Analytiker ihnen aufgrund fehlender Sicherheiten verweigert hätten. Ein gut trainiertes Modell erkennt Potenzial anhand von Verhaltensmustern und Kontextdaten, die über klassische Bonitätskriterien hinausgehen.

Diskriminierungsrisiken und regulatorische Gegenmassnahmen

Gleichzeitig besteht das reale Risiko, dass KI-Systeme bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten reproduzieren oder verstärken, wenn die Trainingsdaten entsprechende Biases enthalten. Die Hosts betonen: Dieses Risiko lässt sich technisch adressieren – durch explizite Fairness-Constraints im Modell, durch Anfechtungsverfahren für betroffene Antragsteller und durch regelmässige Bias-Audits. Der Versicherungsbereich operiert bereits seit Jahren mit ähnlichen Systemen im Underwriting-Prozess und hat dafür regulatorische Rahmenbedingungen entwickelt, die als Orientierung dienen können.


KI in der Kunst: Wenn Algorithmen Klassiker übertreffen

Studie: KI-Gedichte beliebter als Shakespeare und Byron

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Leser KI-generierte Gedichte im direkten Vergleich häufig höher bewerten als Werke klassischer Dichter wie Shakespeare oder Lord Byron. Die Erklärung liegt nahe: Heutige KI-Modelle wurden auf einem enormen Textkorpus trainiert, der sowohl die thematische Tiefe der Vergangenheit als auch die sprachliche Zugänglichkeit der Gegenwart umfasst. Das Ergebnis ist eine Stilsynthese, die literarische Substanz in zeitgemässer Sprache transportiert.

Drei Kategorien von Kunst in einer KI-Welt

Chris Jon Graf schlägt ein klares Ordnungsschema vor, das praktische Relevanz für Kulturproduzenten, Plattformen und Rechtssysteme hat:

  • Rein menschliche Kunst: ohne KI-Beteiligung, mit entsprechender Transparenzmarkierung
  • Ko-kreative Kunst: im Zusammenspiel von Mensch und KI entstanden
  • Autonome KI-Kunst: vollständig durch KI-Systeme generiert, mit oder ohne Prompt

Alle drei Kategorien werden nebeneinander existieren und ihre jeweiligen Märkte und Zielgruppen finden. Entscheidend ist die Transparenz gegenüber dem Konsumenten.

KI als Werkzeug für kreative Profis

Für Berufsgruppen wie Autoren, Journalisten, Musiker und Dichter ergibt sich eine klare Handlungsempfehlung: Wer KI als Werkzeug beherrscht, wird besser. Wer sie ignoriert, konkurriert nicht nur gegen menschliche Kollegen, sondern auch gegen autonome KI-Systeme. Bernd Schmellenkamp nennt ein konkretes Anwendungsbeispiel: Ein Buchautor, der an einem Krimi steckenbleibt, weil ihm der Abschluss fehlt, kann den bisherigen Romantext in ein KI-System einspeisen und durch iterativen Dialog plausible, stimmige Abschlüsse entwickeln – ohne die eigene kreative Handschrift aufzugeben.

Ethische und rechtliche Offenen Fragen

Die Frage nach Urheberschaft, fairer Vergütung und rechtlicher Zuordnung bei KI-Ko-Produktionen bleibt ungelöst. Die Hosts benennen dies als langfristige gesellschaftliche Herausforderung, die Musik, Literatur und visuelle Kunst gleichermassen betrifft. Eine Sofortlösung existiert nicht; die Transparenzpflicht beim Einsatz von KI in kreativen Prozessen ist jedoch ein notwendiger erster Schritt.


Executive Takeaways

  1. Frühzeitiger KI-Einsatz schafft exponentiellen Wettbewerbsvorsprung – der Gap zu Nachzüglern wächst nicht linear, sondern beschleunigt sich.
  2. Cybersicherheit ist lösbar, nicht verhinderbar – On-Premises-Betrieb, Netzwerksegmentierung und klare Zugangskontrollen sind der Standard.
  3. KI im Banking reduziert systemische Risiken, wenn Bias-Audits und Anfechtungsverfahren als regulatorische Begleitinstrumente implementiert werden.
  4. Kreativprofis müssen KI als Werkzeug beherrschen – wer wartet, konkurriert bald gegen autonome Systeme.
  5. Transparenz über KI-Beteiligung in Kunstwerken ist gesellschaftlich notwendig und bildet die Grundlage für künftige Vergütungsmodelle.

Häufige Fragen

Welche konkreten Sicherheitsmassnahmen sind beim Einsatz von KI in kritischer Infrastruktur wie Kernkraftwerken oder Staudämmen zwingend erforderlich?

Entscheidend sind die physische und logische Netzwerksegmentierung, der Betrieb sensibler Daten auf eigenen Servern statt in der Public Cloud sowie strenge Zugangskontrollsysteme. KI-Systeme für Inspektionsaufgaben müssen vom Steuerungsnetz kritischer Infrastruktur getrennt bleiben, damit ein kompromittiertes Analyse-System keinen Zugriff auf operative Funktionen wie das Öffnen von Schleusen oder Abschaltvorgänge erhält.

Wie können Banken sicherstellen, dass KI-gestützte Kreditentscheidungen keine bestimmten gesellschaftlichen Gruppen diskriminieren?

Technisch lassen sich Fairness-Constraints direkt in das Modelltraining einbetten, sodass geschützte Merkmale wie Herkunft oder Geschlecht keinen systematischen Einfluss auf den Score ausüben. Ergänzend braucht es regulatorisch verankerte Anfechtungsverfahren, bei denen ein nachgewiesener Bias eine menschliche Zweitprüfung auslöst, sowie regelmässige externe Bias-Audits des eingesetzten Modells.

Warum ist das Abwarten beim KI-Einsatz strategisch riskanter als die mit der Einführung verbundenen Datenschutz- und Compliance-Kosten?

KI-Adoption folgt einer exponentiellen Lernkurve: Frühe Anwender optimieren Prozesse, generieren proprietäre Trainingsdaten und skalieren Effizienzgewinne, bevor Nachzügler überhaupt die technischen Grundlagen etabliert haben. Der resultierende Kompetenz- und Produktivitätsgap wächst mit jedem Monat Verzögerung überproportional, sodass ein späterer Aufholversuch strukturell schwieriger wird.

Wie verändert KI die Rolle menschlicher Kreditanalysten in Banken langfristig?

Menschliche Analysten werden zunehmend in Oversight-, Ausnahmeprüfungs- und Modell-Governance-Funktionen verschoben, während Routinebewertungen vollständig automatisiert werden. Die Fähigkeit, KI-Modelle zu konfigurieren, ihre Outputs zu interpretieren und regulatorisch zu verantworten, wird zur Kernkompetenz des modernen Kreditanalysten.

Welche drei Kategorien von Kunst entstehen durch den Einzug von KI in kreative Prozesse, und wie sollen sie für Konsumenten kenntlich gemacht werden?

Chris Jon Graf unterscheidet rein menschliche Kunst ohne KI-Beteiligung, ko-kreative Kunst die im Dialog zwischen Mensch und KI entstand sowie autonome KI-Kunst die ohne wesentlichen menschlichen Gestaltungseingriff generiert wurde. Eine verpflichtende Transparenzkennzeichnung beim Vertrieb und der Veröffentlichung ist die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Vergütungs- und Urheberrechtssystem in diesem Umfeld.

Inwieweit können autonome Roboter wie Spot die Arbeitssicherheit in der Energieinfrastruktur messbar verbessern?

Roboter wie Spot übernehmen Inspektionsaufgaben in strahlenbelasteten oder strukturell instabilen Bereichen, in denen menschliche Präsenz mit erheblichem Gesundheitsrisiko verbunden ist. Durch Echtzeitsensorik und automatisierte Anomalieerkennung sinkt nicht nur das Unfallrisiko, sondern auch die Reaktionszeit bei Schadensereignissen, was ungeplante Ausfälle und damit verbundene Sicherheitsrisiken für die Gesamtinfrastruktur reduziert.

Wie können kreative Berufsgruppen wie Autoren oder Musiker KI sinnvoll in ihren Schaffensprozess integrieren, ohne ihre individuelle Handschrift zu verlieren?

KI eignet sich besonders als iterativer Brainstorming-Partner und für die Überwindung kreativer Blockaden, etwa beim Finden eines stimmigen Romanendes oder beim Arrangement von Musikproduktionen. Wer klare Prompts formuliert, das eigene Stilprofil als Kontext eingibt und die KI-Outputs als Ausgangsmaterial statt als Endprodukt behandelt, behält die kreative Kontrolle und steigert gleichzeitig Output-Qualität und Produktionsgeschwindigkeit.